Schwindel – Marta Karlweis

Marta Karlweis‘ Roman Schwindel. Geschichte einer Realität wurde zuerst in der Neuen Freien Presse 1930/31 vorabgedruckt, die Buchfassung erschien 1931 bei S. Fischer in Berlin. Die Vorankündigung hebt zu Recht die „erstaunliche Wirklichkeitstreue“, den „starken Verismus“,  die Dynamik des Geschehens und der Spannung hervor.

Mit ihrem letzten Roman zeichnet Karlweis (die zweite Ehefrau des Schriftstellers Jakob Wassermann) mit Verve und viel Sinn für soziale Abgründe ein erschütterndes Bild des ökonomisch deklassierten Bürgertums im noch kriegstraumatisierten Österreich der Ersten Republik. Über drei Generationen hinweg verfolgt sie das Schicksal einer höchst exemplarischen Kleinbürgerfamilie, deren zum Scheitern verurteilte Existenz auf einer langen Kette aus Betrügereien und Täuschungsdelikten gründet. Virtuos arbeitet Karlweis mit satirisch-grotesken Überzeichnungen und begründet damit eine Tradition weiblichen Schreibens, die Veza Canetti in der Gelben Straße aufgreift und die später bis zur Schreibpraxis der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek führen wird.

„Die Verfasserin dieser gut gebauten und glänzend geschriebenen Prosa, Marta Karlweis, ist so vergessen wie ihre Bücher.“

 Hermann Schlösser, Wiener Zeitung

„Am gründlichsten vergessen werden in der Literaturgeschichte jene Frauen, deren Werke der Nationalsozialismus zunichtemachte. So ein eklatanter Fall ist auch Marta Karlweis (1889–1965).

 Franz Haas, Der Standard

Erscheinungstermin: 15. Mai 2017. Hardcover mit Prägung, Schutzumschlag und Lesebändchen. Hrsg. u. m. einem Nachwort von Prof. Johann Sonnleitner, 240 S., 22 Euro.