Aus der Presse

Wenn jemand Sie fragt, was denn nun konservativ sei, und Ihr Blick durchs eigene Bücherregal schweift: Vergessen Sie Jünger, Burke, Mohler, Weißmann, Schrenck-Notzing und die anderen großen Namen. Das Meiste davon ist graue Theorie. Drücken Sie dem Unwissenden Pscheras 'Gesten' in die Hand, lupfen Sie ihren Hut, verabreden Sie sich zu einem gepflegten Umtrunk und fragen Sie Ihren Freund, wie ihm das Buch gefallen hat.

Florian Müller, Blaue Narzisse

Was Pschera auf 186 Seiten zu sagen weiß, ist ein höchst amüsant geschriebenes kulturgeschichtliches Kleinod der besonderen Art. Doch nicht nur das. Je näher man sich an die Hundertermarke der 'Volten' herangelesen hat, desto mehr entpuppt sich Pschera nicht bloß als scharfblickener, zeitkritischer Mitbürger, sondern auch als katholischer Geisteskopf, der mahnend seinen Finger in jene Wundmale legt, die ein aggiornamento-seliges Kirchenvolk fünfzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hinterlassen hat.

Ingo Langner, Die Tagespost

Nun, da die Buchmesse vorüber ist, liegt es nahe, der einen und anderen Neuerscheinung, die mir dort in die Hände geriet, ein paar Worte zu widmen. Beginnen will ich heute mit Alexander Pscheras Buch 'Vergessene Gesten', einer Sammlung kurzer Nekrologe auf allerlei reizende Konventionen, die von der Furie des Verschwindens aus dem Alltag vertrieben werden oder bereits vertrieben worden sind. [...] Auf der Suche nach einer Schublade landen wir bei jener mit der Aufschrift 'Konservative Kulturkritik', wobei Teile auch unter 'Stoizismus' einsortiert werden könnten und für die alles durchwirkende verliebte Wehmut überhaupt keine Lade existiert. Es ist jedenfalls nicht schön, wenn schöne Dinge verschwinden.

Michael Klonovsky, Acta diurna, 16. Oktober 2018

'125 Volten gegen den Zeitgeist' stellt der Autor vor, samt inspirierten Überlegungen zu deren Welterklärungs- und Sinnstiftungspotenzial. Da findet sich konsumorientierte Nostalgie ('Toast Hawaii essen', 'Kaugummi am Automaten kaufen') neben Bildungsbürgerlichkeit ('Gedichte auswendig lernen', 'Zeitungsartikel ausschneiden') und reiner Exzentrik ('Grundlos vor sich hin pfeifen', 'Eine Locke einrahmen').

PROFIL, 15. Oktober 2018

Ein Freund von mir, Alexander Pschera, hat gerade ein Buch über all die schönen Dinge geschrieben, die er 'Vergessene Gesten' nennt: Zeitungsartikel ausschneiden, Urlaubsfotos einkleben, Gedichte auswendig lernen, etwas im Lexikon nachschlagen, vor sich hin pfeifen, Ansichtskarten schreiben, jemandem die Tür aufhalten, im Bahnhofsrestaurant essen, sich bekreuzigen und vieles mehr.

Alexander von Schönburg, BILD am Sonntag, 26. August 2018

Ein echtes Kind seiner Zeit und des ausklingenden Expressionismus ist dieser Roman auch in seinem vibrierenden Stil, in der Empörung über Ungerechtigkeit, über 'Hungersnot und Seuche im Land, Unzucht und Völlerei in den Palästen'. Oder in den gewagten Sprachmalereien bei der Beschreibung des Himmels: 'Da tiefte sich das Blau sekundenlang in einen Abgrund von purpurner Schwärze.' Aber im Unterschied zu manchem historischen Roman der Zwischenkriegszeit, der meist eine Domäne von reaktionären Herrenreitern war, zeichnet Karlweis ihre Figuren durchaus nicht als hehre Heldinnen. Ihr kaustischer Blick verschont weder Edeldamen noch Strolche.

Franz Haas, Literatur & Kritik, März 2018

Marta Karlweis’ historischer Roman sitzt der heutzutage vielfach widerlegten Mär von den Potemkinschen Dörfern und der Naivität Katharinas der Großen auf. [...] Die literarische Konstruktion einer Ästhetik des Verfalls sowie kontrastierender Bilder von üppiger Verschwendung und zynischer Vergeudung jedweder Ressourcen vonseiten der Herrschenden beherrscht Marta Karlweis ausgezeichnet.

Caroline Liss, literaturkritik.de

Klassische Lesung im Bayern 2 – Meike Droste und Jonas Minthe präsentieren „Schwindel“ von Marta Karlweis

Zur ganzen Lesung:

Du hast keine Chance, nutze sie …
Marta Karlweis zeichnet 1931 facettenreich das Leben der kleinen Leute
Eine fast vergessene Autorin – wiederzuentdecken in der Lesung mit Meike Droste und Jonas Minthe
Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp

Der ganze einstündige Beitrag ist als kostenloser Podcast verfügbar unter: http://www.br.de/nachrichten/meldungen/radiotexte-1312.html

Sie hat ein gutes Herz, die Olga Schnabel, aber sie ist an den falschen Mann geraten. Künstler ist er, und die Kunst kommt immer zuerst. Nur der Erfolg, der kommt nicht. Olga kratzt die Groschen zusammen. Ernst Schnabel aus der gleichen Sippe ist auch verliebt. Irmelin heißt sie und ist wunderschön, aber Geld ist eben keins da … Und wie Olga und Ernst lässt die Autorin Marta Karlweis alle in dieser Familie heimlich auf „die Immobilie“ schielen, die doch im Familienbesitz ist und von der man so gerne profitieren würde.

„Schwindel“, heißt dieser Roman aus dem Jahr 1931, und schwindelig kann einem werden bei der Mischung aus Leidenschaften und Aussichtlosigkeit. Geschwindelt wird auch eine Menge, vor allem sich selbst lügen diese kleinen Leute an, die so gerne „hochkommen“ würden. Ein starker, expressionistischer Text einer österreichischen Schriftstellerin, die heute fast keiner mehr kennt – dabei war sie vor dem Exil eine bekannte Autorin. Dass man Marta Karlweis (1889 bis 1965), die zweite Frau Jakob Wassermanns, heute wieder lesen und bei Bayern 2 hören kann, ist auch das Verdienst eines kleinen Verlags („Das vergessene Buch“), der „Schwindel“ neu aufgelegt hat. In der klassischen Lesung präsentieren Meike Droste und Jonas Minthe zwei Schicksale aus dem Schwindel-Kosmos der Marta Karlweis. Eine Wiederentdeckung. Regie: Irene Schuck. Moderation und Redaktion: Judith Heitkamp.