Der Verlag

Albert Eibl betreibt mit seinem Verlag „Das vergessene Buch“, in dem lange Zeit vergriffene Bücher neu ediert werden, eine konsequente Rückeroberung von Kulturschätzen. Mit den „Vergessenen Gesten“ erscheint nun eine Erstpublikation, die zwar einerseits dem Konzept treu bleibt, dieses jedoch andererseits auf eine weitere Ebene führt.

Alexander Peer, WIENER ZEITUNG

Dass man Marta Karlweis (1889 bis 1965), die zweite Frau Jakob Wassermanns, heute wieder lesen und bei Bayern 2 hören kann, ist auch das Verdienst eines kleinen Verlags ('Das vergessene Buch'), der "Schwindel" neu aufgelegt hat. In der klassischen Lesung präsentieren Meike Droste und Jonas Minthe zwei Schicksale aus dem Schwindel-Kosmos der Marta Karlweis. Eine Wiederentdeckung.

Judith Heitkamp, Bayern 2

Die fünf bisher von mir verlegten Romane sind nicht nur für Österreicher oder Wiener interessant, obwohl sie in der Tat hauptsächlich in Wien und Umgebung spielen. Ich verlege nur Romane, von denen ich mir auch vorstellen kann, dass sie ein größeres Publikum interessieren könnten. Als Spiegel ihrer eigenen Zeit geben sie das spezifische Timbre wieder, die charakteristische Schwingung, die zur Zeit ihrer Entstehung in den Straßen und Cafes, auf den Plätzen und in den Vergnügungsstätten der mondänen Großstadt webte und durch die wir uns, wie in einer Zeitmaschine, zurückversetzen können zu jenem einzigartigen Nachmittag um 1900 an dem Arthur Schnitzler seine Melange mit Stefan Zweig und Felix Salten im berühmten Griensteidl trank und sich dabei gehörig seine Zunge verbrühte…Durch so manchen guten Roman kommen wir der Vergangenheit bedeutend näher als durch ein auf Hochglanz poliertes Geschichtsbuch – so meine Meinung.

Albert Eibl im Gespräch mit Tilman Winterling für 54books

Mit vergriffenen Romanen ist es ja so: Die meisten werden zu Recht nicht wieder aufgelegt, sie waren, auch wenn sie zur Zeit ihrer Publikation gut gekauft und wohlwollend besprochen wurden, nicht viel mehr als modische Phänomene. Dann gibt es Werke wie die von Albert Drach oder Hans Lebert: Sie sind nie wirklich verschwunden, müssen aber offenbar von jeder Generation neu entdeckt werden. Und schließlich gibt es echte, verborgene Schätze. Sie sind rar. auf einen solchen Schatz ist Albert Eibl gestoßen, ein 1990 in München geborener Germanist, der den programmatischen Verlag 'Das vergessene Buch' betreibt.

Bettina Eibel-Steiner, Die Presse

Verlagsportrait im Ö1 Kulturjournal

Die ganze Verlagslandschaft ist auf der Suche nach dem nächsten literarischen Superstar. Die ganze? Nein, ein kleiner Wiener Verlag hat seine Starautoren schon gefunden. Und zwar in der Vergangenheit. Der Verlag „Das vergessene Buch“, kurz DVB, legt nämlich Romane neu auf, deren Autorinnen zu Unrecht und auf völlig unerklärliche Weise aus der Erinnerung verschwunden sind. Vor zwei Jahren gegründet, hat der Verlag bisher vier Bücher herausgebracht, alle von weiblichen Autoren, die im literarischen Leben Wiens vor und nach dem Ersten Weltkrieg Bestseller ablieferten oder für veritable Skandale sorgten, beides aber auf höchstem literarischen Niveau.

– Wolfgang Popp im Ö1 Kulturjournal am 29. November 2016

Präsentation des Skandalromans „Der heilige Skarabäus“ auf RADIO ORANGE

Else Jerusalem war eine einst vielgelesene Autorin, in ihrem 1909 erschienenen Roman ‚Der heilige Skarabäus‘ beschrieb sie bar jeder Sentimentalität das Leben von Prostituierten im Wien der Jahrhundertwende. Obwohl ihr damit ein veritabler Bestseller gelungen war, geriet sie samt ihrer Bücher nach dem Zweiten Weltkrieg in völlige Vergessenheit. Die Germanistin und Psychotherapeutin Brigitte Spreitzer hat das Buch nun im Verlag DVB neu herausgegeben. Per Live-Schaltung aus Graz diskutiert sie mit der Autorin Marlen Schachinger und dem Verleger Albert Eibl über den Wert literarischer Wiederentdeckungen.

Sendezeit: Montag, 7. November 2016, 10-11 Uhr.

Moderation und Produktion: Herbert Gnauer

Unter dem angegebenen Link kann man die komplette Sendung nachhören:

https://cba.fro.at/327704

Um diese schreibenden Frauen dem jahrzehntelangen Vergessen zu entreißen, beschloss der 26-jährige Germanistikstudent Albert Eibl vor zwei Jahren, einen Verlag zu gründen und die aus dem Gedächtnis verschwundenen Werke neu herauszugeben. 'Das vergessene Buch' heißt dieser kleine, in Wien ansässige Verlag, soeben ist das vierte Buch erschienen: 'Der heilige Skarabäus' von Else Jerusalem. Ein Skandalroman über das Wiener Rotlichtmilieu, der kurz nach seinem Erscheinen im Jahr 1909 für Furore sorgte und bereits im selben Jahr weiterer 20 Auflagen erlebte.

Anna Steinbauer in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Oktober 2016