Vergessene Gesten


Das schmucke, mit viel Liebe zum Detail illustrierte Büchlein zeugt von einer aufmunternd-selbstbewußt inszenierten Unzufriedenheit mit der mechanisierten, gleichförmigen Gegenwart, in der – wie Martin Mosebach im Vorwort schreibt –»es keine Societas mehr gibt, weil die Vereinzelung des radikal-individualistischen Nerd, der sich im Grenzenlosen bewegt und dafür keinen Mitmenschen mehr sehen muß, zur bestimmenden Lebensform geworden ist«. In wohlportionierten, brillant geschliffenen Miniaturen, bei denen man sich stellenweise das Lachen nicht verkneifen kann, zollt Pschera nicht nur überkommenen Umgangsformen und Allüren seinen Tribut (»Sich die Haare raufen«, »In fremden Häusern die Schuhe anlassen«), sondern bricht auch eine Lanze für mehr stilistisches Differenzierungsbemühen (»Den Spazierstock schwingen«, »Bunte Kniestrümpfe tragen«), vergess ne Redewendungen (»Eulen ans Hoftor nageln«) oder vollkommen zurecht als lebensnotwendig erkannte Freizeitbeschäftigungen und Alltagsmeditationen (»Ein Dilettant sein«, »Seinen Bauch selbstbewußt vor sich hertragen«).

– Arthur Lichtenfels, CATO

Wenn jemand Sie fragt, was denn nun konservativ sei, und Ihr Blick durchs eigene Bücherregal schweift: Vergessen Sie Jünger, Burke, Mohler, Weißmann, Schrenck-Notzing und die anderen großen Namen. Das Meiste davon ist graue Theorie. Drücken Sie dem Unwissenden Pscheras 'Gesten' in die Hand, lupfen Sie ihren Hut, verabreden Sie sich zu einem gepflegten Umtrunk und fragen Sie Ihren Freund, wie ihm das Buch gefallen hat.

Florian Müller, Blaue Narzisse

Was Pschera auf 186 Seiten zu sagen weiß, ist ein höchst amüsant geschriebenes kulturgeschichtliches Kleinod der besonderen Art. Doch nicht nur das. Je näher man sich an die Hundertermarke der 'Volten' herangelesen hat, desto mehr entpuppt sich Pschera nicht bloß als scharfblickener, zeitkritischer Mitbürger, sondern auch als katholischer Geisteskopf, der mahnend seinen Finger in jene Wundmale legt, die ein aggiornamento-seliges Kirchenvolk fünfzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hinterlassen hat.

Ingo Langner, Die Tagespost

Nun, da die Buchmesse vorüber ist, liegt es nahe, der einen und anderen Neuerscheinung, die mir dort in die Hände geriet, ein paar Worte zu widmen. Beginnen will ich heute mit Alexander Pscheras Buch 'Vergessene Gesten', einer Sammlung kurzer Nekrologe auf allerlei reizende Konventionen, die von der Furie des Verschwindens aus dem Alltag vertrieben werden oder bereits vertrieben worden sind. [...] Auf der Suche nach einer Schublade landen wir bei jener mit der Aufschrift 'Konservative Kulturkritik', wobei Teile auch unter 'Stoizismus' einsortiert werden könnten und für die alles durchwirkende verliebte Wehmut überhaupt keine Lade existiert. Es ist jedenfalls nicht schön, wenn schöne Dinge verschwinden.

Michael Klonovsky, Acta diurna, 16. Oktober 2018

'125 Volten gegen den Zeitgeist' stellt der Autor vor, samt inspirierten Überlegungen zu deren Welterklärungs- und Sinnstiftungspotenzial. Da findet sich konsumorientierte Nostalgie ('Toast Hawaii essen', 'Kaugummi am Automaten kaufen') neben Bildungsbürgerlichkeit ('Gedichte auswendig lernen', 'Zeitungsartikel ausschneiden') und reiner Exzentrik ('Grundlos vor sich hin pfeifen', 'Eine Locke einrahmen').

PROFIL, 15. Oktober 2018

Ein Freund von mir, Alexander Pschera, hat gerade ein Buch über all die schönen Dinge geschrieben, die er 'Vergessene Gesten' nennt: Zeitungsartikel ausschneiden, Urlaubsfotos einkleben, Gedichte auswendig lernen, etwas im Lexikon nachschlagen, vor sich hin pfeifen, Ansichtskarten schreiben, jemandem die Tür aufhalten, im Bahnhofsrestaurant essen, sich bekreuzigen und vieles mehr.

Alexander von Schönburg, BILD am Sonntag, 26. August 2018