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Lukas Hermann, Worte des Widerstands

Vor allem aber ist es auch der geistige Schwindel, der einen beim rasanten Durchleben dieser gnadenlosen Existenzweise umfängt und mit sich reißt. Dieser wird dadurch noch verstärkt, dass statt der Figuren – die als tragische, zugleich aber unbedeutend wirkende Fallbeispiele verkrachter Existenzen nacheinander an einem vorbei ins Verderben treiben – der Leser diesen Schwindel durchmachen muss. Er (oder sie) erleidet an ihrer statt die Höhen und Tiefen der geistigen Verwirrung, ihre Pausen, Irrtümer und ahnungsvolle Blicke in die immer turbulenter werdende Zukunft (der Familie wie der Lektüre) – ohne wirkliche Hilfe und nur mit einer blassen Hoffnung auf baldige Besserung.

 

Lukas Hermann, Worte des Widerstands

Prof. Karl Wagner in ‚Der Falter‘

Marta Karlweis zieht die Register solchen Erzählens zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit mit großer Souveränität. Nur Federfuchser werden ihre Erzählerkommentare als veraltete Technik verbuchen, in Wahrheit geht es um Strategien, die die Beschränkungen des Inneren Monologs aufbrechen, ohne dessen Errungenschaft zu desavouieren. Das hört sich so an und es klingt gar nicht alt: „Das angenehme Ehepaar, das auf diese Weise aus dem Nichts in unsere Geschichte tritt, wird gleich wieder im Nichts verschwinden, denn wir brauchen es nicht mehr, es hat seine Funktion längst erfüllt.

 

Prof. Karl Wagner in ‚Der Falter‘

Judith Heitkamp, Bayern 2

Dass man Marta Karlweis (1889 bis 1965), die zweite Frau Jakob Wassermanns, heute wieder lesen und bei Bayern 2 hören kann, ist auch das Verdienst eines kleinen Verlags (‚Das vergessene Buch‘), der „Schwindel“ neu aufgelegt hat. In der klassischen Lesung präsentieren Meike Droste und Jonas Minthe zwei Schicksale aus dem Schwindel-Kosmos der Marta Karlweis. Eine Wiederentdeckung.

 

Judith Heitkamp, Bayern 2

Albert Eibl im Gespräch mit Tilman Winterling für 54books

Die fünf bisher von mir verlegten Romane sind nicht nur für Österreicher oder Wiener interessant, obwohl sie in der Tat hauptsächlich in Wien und Umgebung spielen. Ich verlege nur Romane, von denen ich mir auch vorstellen kann, dass sie ein größeres Publikum interessieren könnten. Als Spiegel ihrer eigenen Zeit geben sie das spezifische Timbre wieder, die charakteristische Schwingung, die zur Zeit ihrer Entstehung in den Straßen und Cafes, auf den Plätzen und in den Vergnügungsstätten der mondänen Großstadt webte und durch die wir uns, wie in einer Zeitmaschine, zurückversetzen können zu jenem einzigartigen Nachmittag um 1900 an dem Arthur Schnitzler seine Melange mit Stefan Zweig und Felix Salten im berühmten Griensteidl trank und sich dabei gehörig seine Zunge verbrühte…Durch so manchen guten Roman kommen wir der Vergangenheit bedeutend näher als durch ein auf Hochglanz poliertes Geschichtsbuch – so meine Meinung.

 

Albert Eibl im Gespräch mit Tilman Winterling für 54books