WIEN IN DEN FRÜHEN 1950er JAHREN…
Alexander Jessiersky, österreichischer Aristokrat russisch-polnischer Abstammung, bewohnt mit seiner Familie ein prächtiges Stadtpalais im Wiener Ersten Bezirk. Er verhält sich nach dem Anschluss unauffällig und angepasst – und geht als Profiteur und Kriegsgewinnler aus dem Zweiten Weltkrieg hervor. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht so einfach begraben. Jessiersky trägt Mitschuld an der Deportation eines Mannes ins Konzentrationslager Mauthausen: Des Grafen Luna. Ist es dieser totgeglaubte Graf, den er plötzlich im Nebel sichtet und der nun Rache an ihm und seiner Familie nehmen will? Getrieben von Schuldgefühlen und zunehmend ins Paranoide übergreifender Angst, gerät Jessiersky immer tiefer in den Bann der rätselhaften Gestalt und dessen wechselvoller Familiengeschichte, mit der er sich manisch zu beschäftigen beginnt. Doch so sehr er sich auch vom Albdruck des Geschehenen befreien will: Der geheimnisvolle Graf Luna verfolgt ihn gleich einem Dämon durch das flackernde Wien der Nachkriegszeit, taucht an den ungewöhnlichsten Orten auf und raubt ihm jeden Seelenfrieden. Nur eine radikale Entscheidung kann die erhoffte Erlösung bringen…
Lernet-Holenias später Roman Der Graf Luna, der 1955 bei Zsolnay erschien und seitdem zu Unrecht in Vergessenheit geriet, ist ein beeindruckendes Werk voll phantastischer Atmosphäre, psychologischer Spannung und stilistischer Eleganz. Im literarischen Spiel mit Motiven wie Schein und Wahrheit, Schuld und Verantwortung arbeitet Lernet-Holenia die Erfahrung des Nationalsozialismus in Österreich und die Verstrickung Einzelner darin auf. Im Verlag Das vergessene Buch wollen wir mit der Neuausgabe dieses bedeutenden Zeitromans die Wiederentdeckung eines der wichtigsten österreichischen Erzählers des 20. Jahrhunderts zum 50. Todestag des Autors, der sich am 3. Juli 2026 jährt, nachhaltig einläuten.
„…ein Autor mit federleichtem, ungezwungenem Stil, der versucht, dem alten österreichischen Barock eine moderne Wendung zu geben…“
– Claudio Magris
„Er war Stilkünstler höchsten Grades, ein Meister des Aphorismus und ein großer Geschichtenerzähler; seine historische Treue engverbunden mit magischem Gespür für den Aberglauben der Vergangenheit.“
– Hilde Spiel
