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Alexander von Schönburg, BILD am Sonntag, 26. August 2018

Ein Freund von mir, Alexander Pschera, hat gerade ein Buch über all die schönen Dinge geschrieben, die er ‚Vergessene Gesten‘ nennt: Zeitungsartikel ausschneiden, Urlaubsfotos einkleben, Gedichte auswendig lernen, etwas im Lexikon nachschlagen, vor sich hin pfeifen, Ansichtskarten schreiben, jemandem die Tür aufhalten, im Bahnhofsrestaurant essen, sich bekreuzigen und vieles mehr.

 

Alexander von Schönburg,  BILD am Sonntag, 26. August 2018

Franz Haas, Literatur & Kritik, März 2018

Ein echtes Kind seiner Zeit und des ausklingenden Expressionismus ist dieser Roman auch in seinem vibrierenden Stil, in der Empörung über Ungerechtigkeit, über ‚Hungersnot und Seuche im Land, Unzucht und Völlerei in den Palästen‘. Oder in den gewagten Sprachmalereien bei der Beschreibung des Himmels: ‚Da tiefte sich das Blau sekundenlang in einen Abgrund von purpurner Schwärze.‘ Aber im Unterschied zu manchem historischen Roman der Zwischenkriegszeit, der meist eine Domäne von reaktionären Herrenreitern war, zeichnet Karlweis ihre Figuren durchaus nicht als hehre Heldinnen. Ihr kaustischer Blick verschont weder Edeldamen noch Strolche.

 

Franz Haas, Literatur & Kritik, März 2018

Klassische Lesung im Bayern 2 – Meike Droste und Jonas Minthe präsentieren „Schwindel“ von Marta Karlweis

Zur ganzen Lesung:

Du hast keine Chance, nutze sie …
Marta Karlweis zeichnet 1931 facettenreich das Leben der kleinen Leute
Eine fast vergessene Autorin – wiederzuentdecken in der Lesung mit Meike Droste und Jonas Minthe
Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp

Der ganze einstündige Beitrag ist als kostenloser Podcast verfügbar unter: http://www.br.de/nachrichten/meldungen/radiotexte-1312.html

Sie hat ein gutes Herz, die Olga Schnabel, aber sie ist an den falschen Mann geraten. Künstler ist er, und die Kunst kommt immer zuerst. Nur der Erfolg, der kommt nicht. Olga kratzt die Groschen zusammen. Ernst Schnabel aus der gleichen Sippe ist auch verliebt. Irmelin heißt sie und ist wunderschön, aber Geld ist eben keins da … Und wie Olga und Ernst lässt die Autorin Marta Karlweis alle in dieser Familie heimlich auf „die Immobilie“ schielen, die doch im Familienbesitz ist und von der man so gerne profitieren würde.

„Schwindel“, heißt dieser Roman aus dem Jahr 1931, und schwindelig kann einem werden bei der Mischung aus Leidenschaften und Aussichtlosigkeit. Geschwindelt wird auch eine Menge, vor allem sich selbst lügen diese kleinen Leute an, die so gerne „hochkommen“ würden. Ein starker, expressionistischer Text einer österreichischen Schriftstellerin, die heute fast keiner mehr kennt – dabei war sie vor dem Exil eine bekannte Autorin. Dass man Marta Karlweis (1889 bis 1965), die zweite Frau Jakob Wassermanns, heute wieder lesen und bei Bayern 2 hören kann, ist auch das Verdienst eines kleinen Verlags („Das vergessene Buch“), der „Schwindel“ neu aufgelegt hat. In der klassischen Lesung präsentieren Meike Droste und Jonas Minthe zwei Schicksale aus dem Schwindel-Kosmos der Marta Karlweis. Eine Wiederentdeckung. Regie: Irene Schuck. Moderation und Redaktion: Judith Heitkamp.

Franz Haas, Der Standard

Der Roman Schwindel von Marta Karlweis ist im selben Jahr erschienen wie Ödön von Horváths geniales „Volksstück gegen das Volksstück“ – nämlich 1931 – und hat mit diesem noch viel mehr gemeinsam. Er schildert den Niedergang einer anfangs bürgerlichen Wiener Familie in der Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg, in einem kaustisch-brillanten Geschichtenkranz voller Bosheit, Unglück und Verblödung. Verdienstvoll bemüht sich der Verlag Das vergessene Buch vor allem um Werke von Frauen wie Maria Lazar, Else Jerusalem und eben Marta Karlweis, von der kürzlich bereits der Roman Ein österreichischer Don Juan (1929) neu aufgelegt wurde.

 

Franz Haas, Der Standard