Aus der Presse

Marta Karlweis literarisch zu rehabilitieren, diese Aufgabe fällt offensichtlich dem kleinen Wiener Verlag DVB (= Die vergessenen Bücher) zu. Gefördert vom Zukunftsfonds der Republik, erlebt "Ein österreichischer Don Juan" die Neuauflage. Eine schöne Überraschung, weil diese Autorin kein Rohdiamant war, sondern ein längst geschliffener Edelstein, noch dazu bereits in Fassung gebracht.

Peter Pisa am 30. März 2016 im Wiener Kurier

Man kann das Buch über weite Strecken als Psychoanalyse im literarischen Gewand, gekleidet in schöne Sprachbilder und ergänzt um viele zitierfähige Aphorismen („Alle Reife entsteht durch […] Höllenwanderung der Phantasie“), begreifen. Das ist gewiss nicht das Schlechteste, was man über einen Roman mit diesem Sujet sagen kann.

Julian Köck auf literaturkritik.de

"Marta Karlweis ist nach Maria Lazar die zweite Autorin, die man dank des Verlags 'Das vergessene Buch' wiederentdecken kann. [...] wer will, kann den 1929 erschienenen Roman 'Ein österreichischer Don Juan' psychoanalytisch lesen – der Frauenheld heißt hier Erwein von Raidt und ist ein ausgeprägter Schuhfetischist. Den acht Kapiteln ist eine röntgenscharfe Charakterstudie Erwein von Raidts vorgeschaltet, die ihn als kalten Sonderling ausweist. Der bitterböse Roman handelt dann davon, wie 'das Judenmädl' Cecile ins Verderben gestürzt wird. Er spielt vor dem Ersten Weltkrieg, ebenso wie Joseph Roth gilt Karlweis’ eigentliches Interesse dem Untergang der k.-u.-k.-Monarchie. Doch liegt ihr jede Nostalgie fern. Entlarvt wird eine bigotte, misogyne Operettengesellschaft"  

Florian Welle am 12. Januar 2016 in der Süddeutschen Zeitung

Michael Rohrwasser hat das frühe Werk von Maria Lazar als 'kleine Sensation' bezeichnet. Tatsächlich ließe es sich durchaus als eine frühe Vorläufern der Klavierspielerin von Elfriede Jelinek verstehen, gehen die Parallelen doch über die intensive Hassliebe zwischen Mutter und Tochter hinaus, gegen die Ruth teils zerstörerisch rebelliert. Die Schärfe der Beobachtung und die Sprache, die die physische und psychische Gewalt der engen Gesellschaft zum Ausdruck bringt, verbinden sie mit der österreichischen Nobelpreisträgerin. Ein anderer Nobelpreisträger, Thomas Mann, fand in Die Vergiftung nichts anderes als 'penetranten Weibsgeruch' – ein weiteres Indiz dafür, dass Maria Lazar den Finger zu ihrer Zeit in eine schmerzende Wunde gelegt hat. Dass Albert Eibl in seinem Verlag nun auch ein weiteres Werk der Autorin herausbringt (Die Eingeborenen von Maria Blut) lässt hoffen, dass die Bücher künftig ihrem neuen Verlagsnamen 'das vergessene buch' kaum mehr entsprechen werden.

Holger Englerth auf literaturkritik.de