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Holger Englerth auf literaturkritik.de

Michael Rohrwasser hat das frühe Werk von Maria Lazar als ‚kleine Sensation‘ bezeichnet. Tatsächlich ließe es sich durchaus als eine frühe Vorläufern der Klavierspielerin von Elfriede Jelinek verstehen, gehen die Parallelen doch über die intensive Hassliebe zwischen Mutter und Tochter hinaus, gegen die Ruth teils zerstörerisch rebelliert. Die Schärfe der Beobachtung und die Sprache, die die physische und psychische Gewalt der engen Gesellschaft zum Ausdruck bringt, verbinden sie mit der österreichischen Nobelpreisträgerin. Ein anderer Nobelpreisträger, Thomas Mann, fand in Die Vergiftung nichts anderes als ‚penetranten Weibsgeruch‘ – ein weiteres Indiz dafür, dass Maria Lazar den Finger zu ihrer Zeit in eine schmerzende Wunde gelegt hat. Dass Albert Eibl in seinem Verlag nun auch ein weiteres Werk der Autorin herausbringt (Die Eingeborenen von Maria Blut) lässt hoffen, dass die Bücher künftig ihrem neuen Verlagsnamen ‚das vergessene buch‘ kaum mehr entsprechen werden.

 

Holger Englerth auf literaturkritik.de

Hubert Holzmann im TITEL kulturmagazin

Maria Lazar erzählt im Roman Die Vergiftung keine herkömmliche Story ihrer Heldin Ruth. Es ist nicht ihre Geschichte, für die sich die Autorin interessiert. Vielmehr beleuchtet Lazar Ruths inneren Seelenzustand, ihre Selbstzweifel, Zerrissenheit und Fremdartigkeit anhand einzelner Erlebnisse, kurzer Szenen, einzelner Bilder. Für Ruths psychische Gespanntheit findet sie passende Bilder. Wie schon im Märchen von Herzog Blaubart wird die verschlossene Tür, »eine braune Holztür, glatt, mit vielen dunklen Flecken. Eine Tür wie sie überall ist, überall ist. Eine Tür –« zum Ausdruck für den Konflikt, zum Hindernis, zur Wand, gegen die sie anrennt, »die sich nie und nie zertrümmern läßt«. […] Die Vergiftung ist ein moderner Roman. Der skurrile Tagebucheintrag Thomas Manns zu seiner Romanlektüre von Lazars Vergiftung ist für uns Anlass, die Autorin zu lesen: »Ging gestern Abend wieder in den Park, saß zum ersten Mal wieder lesend unter einem Baum. Begann mit einem Roman Vergiftung von Maria Lazar …, lese aber nicht weiter. Penetranter Weibsgeruch.«

 

Hubert Holzmann im  TITEL kulturmagazin

– Harald Eggebrecht am 10. Juni 2015 in der ‚Süddeutschen Zeitung‘

Maria Lazars bestechende, mit schnellem Dialogpuls erzählte Mentalitätsanalyse eines kleinstädtischen Milieus kurz vor der ‚Machtergreifung‘, in dem alles gefährlich Verstockte nahezu ungehindert anwächst, bis es 1938 endlich ‚heim ins Reich‘ ging, erschien erstmals 1958 in der DDR unter dem dänischen Pseudonym Esther Grenen, unter dem Lazar seit Mitte der Zwanzigerjahre erfolgreich publizierte. Nun kommt der Roman erstmals in Österreich heraus, auf eine ähnliche Stimmungs-Melange treffend.

 

Harald Eggebrecht am 10. Juni 2015 in der ‚Süddeutschen Zeitung‘