Der Verlag

                        Portrait des DVB Verlags in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Oktober 2016

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„Die ganze Verlagslandschaft ist auf der Suche nach dem nächsten literarischen Superstar. Die ganze? Nein, ein kleiner Wiener Verlag hat seine Starautoren schon gefunden. Und zwar in der Vergangenheit. Der Verlag ‚Das vergessene Buch‘, kurz DVB, legt nämlich Romane neu auf, deren Autorinnen zu Unrecht und auf völlig unerklärliche Weise aus der Erinnerung verschwunden sind. Vor zwei Jahren gegründet, hat der Verlag bisher vier Bücher herausgebracht, alle von weiblichen Autoren, die im literarischen Leben Wiens vor und nach dem Ersten Weltkrieg Bestseller ablieferten oder für veritable Skandale sorgten, beides aber auf höchstem literarischen Niveau.“

Wolfgang Popp im Ö1 Kulturjournal

Nicht alle Bücher sind es wert, gelesen zu werden. Aber die wenigsten sind es wert, vergessen zu bleiben.

Gerade die Buchbranche befindet sich schon seit geraumer Zeit in einem Umbruch, der in seinen Dimensionen alle bisherigen Veränderungen, die die Verlagswelt in den letzten hundert Jahren hinnehmen musste, als durchaus nebensächlich erscheinen lassen. Insbesondere in Österreich kämpfen die kleinen Verlage um ihr Überleben. Auf der Suche nach einer größeren Breitenwirkung und höheren Einkünften wandern viele bedeutende österreichische Schriftsteller zu Verlagen des weit potenteren deutschen Buchmarkts ab. In Österreich werden zwar rein quantitativ immer mehr Bücher produziert, dafür aber in immer kleineren Auflagen und mit immer kleineren Halbwertszeiten. Die Folge ist eine immer bedrohlicher erscheinende Lage für Verlage, die im Zeichen der Experimentierfreudigkeit und der kulturellen Vielfalt den Anspruch nicht fallen lassen wollen, ein anspruchsvolles Verlagsprogramm auf die Beine zu stellen. Hier bedarf es in Zukunft nicht nur mehr finanzieller Hilfe durch die öffentliche Hand, es muss auch mehr Unterstützung seitens derjenigen Leserinnen und Leser geben, die Bücher nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern als Selbstzweck betrachten.

Diesem Credo will auch der im letzten Jahr neu gegründete Wiener Verlag Das vergessene Buch folgen. Fernab großartig durchdachter pekuniärer Gewinnerwartungsstrategien sollen im DVB Verlag in den nächsten Jahren herausragende Werke der deutschsprachigen Literatur erscheinen, die zu Unrecht vergessen wurden – sei es, weil ihre Autoren zu ihren Lebzeiten aus politischen oder rassistischen Gründen verfolgt wurden, sei es, weil die Zeit einfach noch nicht reif war, das Genie dieser Autorinnen und Autoren zu erkennen und ihre Absichten zu verstehen.

Literatur, so hat uns die Geschichte wiederholt gezeigt, kann ein Wagnis sein. Für das Überleben und die Vielfalt autonomer Kunst einzustehen, ist ein Wagnis, das wir gerne auf uns nehmen wollen.

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Mit der Neupublikation von Die Vergiftung, des 1920 erschienenen, autobiographischen Debütromans der weitgehend in Vergessenheit geratenen österreichisch-jüdischen Exilautorin Maria Lazar (1895–1948), haben wir im Dezember 2014 den Grundstein gelegt für eine auf mehrere Bände angelegte Reihe.

Mit der Drucklegung von Maria Lazars großem Exilroman Die Eingeborenen von Maria Blut über die schleichende Entwicklung des Nazismus in der österreichischen Provinz, von dem 1937 bereits ein Kapitel in der deutschsprachigen Moskauer Exilzeitschrift Das Wort (hrsg. von Bert Brecht, Lion Feuchtwanger und Willi Bredel) veröffentlicht wurde, sind wir im Frühjahr 2015 einen weiteren großen Schritt gegangen zur Wiederentdeckung dieser völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Autorin.

Nachdem im Dezember 2015 unsere Neuausgabe des lange vergessenen Epochenromans Ein österreichischer Don Juan von Marta Karlweis erschienen ist und ein breites Echo gefunden hat, sind wir stolz, eine weitere bedeutende österreichische Schriftstellerin dem Orkus der unrechtmäßigen Vergessenheit entrissen zu haben. Die großzügige Förderung des Zukunftsfonds der Republik Österreich sowie die engagierte Editionsarbeit von Prof. Johann Sonnleitner haben dies nicht zuletzt möglich gemacht.

Für Oktober 2016 ist schon die nächste größere Wiederentdeckung in Planung: Die kritische Neuauflage eines der skandalträchtigsten Bücher der österreichischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts: Else Jerusalems lange vergessener Rotlichtroman Der heilige Skarabäus von 1909. Unter der Federführung von Prof. Dr. Spreitzer von der Universität Graz heben wir so einen neuen Schatz ans Licht unserer reichhaltigen Literaturtradition.

An dieser Stelle danken wir allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die unsere Arbeit möglich machen!

Zum Verlagsportrait von Wolfgang Popp im Ö1 Kulturjournal

 Interview mit Verleger Albert C. Eibl über die Gründung des DVB Verlags und Maria Lazar am 27. Oktober 2015 im SWR2 LiteraturEN

              Zum Interview des österreichischen Nachrichtenmagazin PROFIL mit Verlagsgründer Albert C. Eibl

      Mehr zum Verlag im Interview mit dem TITEL kulturmagazin