• 0 Artikel - 0,00
    • Keine Produkte im Warenkorb.

Der Verlag

Nicht alle Bücher sind es wert, gelesen zu werden. Aber die wenigsten sind es wert, vergessen zu bleiben.

Gerade die Buchbranche befindet sich schon seit geraumer Zeit in einem Umbruch, der in seinen Dimensionen alle bisherigen Veränderungen, die die Verlagswelt in den letzten hundert Jahren hinnehmen musste, als durchaus nebensächlich erscheinen lassen. Die Coronakrise hat diese Tendenzen nur verschärft. Nicht nur in Österreich kämpfen die kleinen Verlage um ihr Überleben. Für Verlage, die im Zeichen der Experimentierfreudigkeit und der kulturellen Vielfalt den Anspruch nicht fallen lassen wollen, ein gleichermaßen anspruchsvolles wie originelles Verlagsprogramm auf die Beine zu stellen, gestaltet sich die wirtschaftliche Lage immer schwieriger. Hier bedarf es in Zukunft nicht nur mehr finanzieller Hilfe durch die öffentliche Hand, es muss auch mehr Unterstützung seitens derjenigen Leserinnen und Leser geben, die Bücher nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern als Selbstzweck betrachten.

Diesem Credo will auch der im Jahr 2014 gegründete Wiener Verlag Das vergessene Buch folgen. Fernab großartig durchdachter pekuniärer Gewinnerwartungsstrategien sollen im DVB Verlag in den nächsten Jahren herausragende Werke der deutschsprachigen Literatur erscheinen, die zu Unrecht vergessen wurden – sei es, weil ihre Autoren zu ihren Lebzeiten aus politischen oder rassistischen Gründen verfolgt wurden, sei es, weil die Zeit einfach noch nicht reif war, das Genie dieser Autorinnen und Autoren zu erkennen und ihre Absichten zu verstehen.

Literatur, so hat uns die Geschichte wiederholt gezeigt, kann ein Wagnis sein. Für das Überleben und die Vielfalt autonomer Kunst einzustehen, ist ein Wagnis, das wir auch in den nächsten Jahren mit Stolz auf uns nehmen wollen. Gehen Sie mit uns diesen Weg und lesen Sie unsere Bücher. Es wird ein Weg sein, der sie gleichermaßen erstaunen wie beglücken wird. Seien Sie gespannt!

Mit der Neupublikation von Die Vergiftungdes 1920 erschienenen, autobiographischen Debütromans der weitgehend in Vergessenheit geratenen österreichisch-jüdischen Exilautorin Maria Lazar (1895–1948), haben wir im Dezember 2014 den Grundstein gelegt für eine auf mehrere Bände angelegte Reihe. Der Roman ist gerade in neuer, überarbeiteter Auflage erschienen und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit bei unserer neugierigen Leserschaft.

Mit der Drucklegung von Maria Lazars großem Exilroman Die Eingeborenen von Maria Blut über die schleichende Entwicklung des Nazismus in der österreichischen Provinz, von dem 1937 bereits ein Kapitel in der deutschsprachigen Moskauer Exilzeitschrift Das Wort (hrsg. von Bert Brecht, Lion Feuchtwanger und Willi Bredel) veröffentlicht wurde, sind wir im Frühjahr 2015 einen weiteren großen Schritt gegangen zur Wiederentdeckung dieser völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Autorin.

Nachdem im Dezember 2015 unsere Neuausgabe des lange vergessenen Epochenromans Ein österreichischer Don Juan von Marta Karlweis erschienen ist und ein breites Echo gefunden hat, sind wir stolz, eine weitere bedeutende österreichische Schriftstellerin dem Orkus der unrechtmäßigen Vergessenheit entrissen zu haben. Die großzügige Förderung des Zukunftsfonds der Republik Österreich sowie die engagierte Editionsarbeit von Prof. Johann Sonnleitner haben dies nicht zuletzt möglich gemacht.

Im Oktober 2016 stand die nächste größere Wiederentdeckung an: Die kritische Neuauflage eines der skandalträchtigsten Bücher der österreichischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts: Else Jerusalems lange vergessener Rotlichtroman Der heilige Skarabäus von 1909. Unter der Federführung von Prof. Dr. Spreitzer von der Universität Graz hebten wir so einen neuen Schatz ans Licht unserer reichhaltigen Literaturtradition. Mittlerweile ist die dritte Auflage in Vorbereitung.

Im Jahr 2017 erschienen dann zwei weitere Romane von Marta Karlweis Schwindel. Geschichte einer Realität von 1931 und Das Gastmahl auf Dubrowitza von 1921. Damit haben wir die Wiederentdeckung dieser meisterhaften Autorin der österreichischen Zwischenkriegszeit noch weiter vorangetrieben und das breite Spektrum sichtbar gemacht, das ihre facettenreiche Autorschaft im Zeichen des Untergangs des Habsburgermonarchie kennzeichnet.

Mit der Publikation von Alexander Pscheras konservativ-reaktionärem Essayband Vergessene Gesten (mit einem Vorwort von Martin Mosebach), der mittlerweile in die zweite Auflage gegangen ist, hat sich der DVB Verlag Ende 2018 dazu entschieden, eine neue Sparte aufzumachen, die sich generell mit der Phänomenologie des Vergessens beschäftigen wird. Ein Folgeband ist bereits in Planung.

Dank unserer Bemühungen wird nun auch die Dramatikerin Maria Lazar wiederentdeckt. Der große Erfolg der Premiere Ihres Einakters Der Henker am Wiener Akademietheater im Dezember 2019 (in der Inszenierung von Mateja Koleznik) hat uns darin bestätigt, dass unser verlegerischer Wagemut sich hier gelohnt hat. Am 20. Mai 2020, gleich nach dem ersten Lockdown, brachten wir deshalb das lange verschollene Hauptwerk Maria Lazars heraus: Den hellsichtigen Wirtschaftsthriller und Zeitroman Leben verboten! von 1932. Er entwickelte sich schnell zum Österreichbestseller und wurde darüber hinaus zum Ö1 Buch des Monats Juli gekürt.

Doch nicht nur kompromisslose schreibende Frauen, auch zu Unrecht vergessene männliche Schriftsteller wollen wir in den kommenden Jahren verstärkt in den Fokus unserer Verlagsarchäologie rücken. Ende Oktober 2020 erschien deshalb mit Ferien am Waldsee von Carl Laszlo der gänzlich zu Unrecht vergessene fiktionalisierte Erlebnisbericht eines jüdischen Autors und Galeristen über die eigene Lagerhaft in Auschwitz-Birkenau in den Jahren 1943/44. Mit einem Nachwort von Bestsellerautor ALEXANDER VON SCHÖNBURG. Mittlerweile schon in 2. Auflage.

An dieser Stelle danken wir allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die unsere Arbeit möglich machen! Auf zahlreiche weitere Wiederentdeckungen im Zeitalter des digitalisierten Vergessens!

„Die ganze Verlagslandschaft ist auf der Suche nach dem nächsten literarischen Superstar. Die ganze? Nein, ein kleiner Wiener Verlag hat seine Starautoren schon gefunden. Und zwar in der Vergangenheit. Der Verlag ‚Das vergessene Buch‘, kurz DVB, legt nämlich Romane neu auf, deren Autorinnen zu Unrecht und auf völlig unerklärliche Weise aus der Erinnerung verschwunden sind. Vor zwei Jahren gegründet, hat der Verlag bisher vier Bücher herausgebracht, alle von weiblichen Autoren, die im literarischen Leben Wiens vor und nach dem Ersten Weltkrieg Bestseller ablieferten oder für veritable Skandale sorgten, beides aber auf höchstem literarischen Niveau.“

Wolfgang Popp, Ö1 Kulturjournal

Comments(5)

    • Andreas Kollross

    • 12 Monaten gemeldet

    Ich finde diesen Verlag großartig und bin mir sicher, weitere Bücher zu bestellen. Habe im Urlaub von Maria Lazar „Leben verboten!“ gelesen und war begeistert. Man soll und muss diesen Verlag, für dieses Engagement AutorInnen und deren Werke nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, einfach Werbung machen, DANKE sagen und natürlich mit dem Erwerb von Büchern unterstützen.

      • DVB Verlag

      • 5 Monaten gemeldet

      Danke sehr!:)

      • DVB Verlag

      • 5 Monaten gemeldet

      Wir sagen danke!:)

    • Annegret Lührs

    • 9 Monaten gemeldet

    Ich habe im Deutschlandfunk Kultur von dem Vetlag gehört und bin völlig begeistert von dieser Idee und der Umsetzung.
    Ich wünsche viel Erfolg

      • DVB Verlag

      • 5 Monaten gemeldet

      Vielen lieben Dank!:)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.